Wie wird man Brückenbauer:in?

(Bild von Susanne Jutzeler, suju-foto auf Pixabay)

Die gespaltene Gesellschaft – sie ist allgegenwärtig. Ob auf Social Media oder in unseren Gesprächen, in den Tagesthemen, im Bundestag, ja, selbst in Familien können wir sie finden, hören, lesen.

Für jedes Thema gibt es glühende Befürworter und ebenso glühende Gegner. Egal, ob es um Corona-Maßnahmen, politische Positionen, Fleischkonsum, Autofahren, Impfungen, Facebook, Online-Shopping, oder sonst etwas geht, jede:r hat seine/ihre Meinung, und die ist meistens auch sehr gefestigt.

„Ich brauche kein Facebook, das ist mir echt zu blöd.“ (ohne einen Account zu haben oder jemals mal reingeschaut zu haben), „Niemals würde ich mich gegen Corona impfen lassen!“, „Tiere essen ist unmoralisch!“, „Bauern sind geldgierig!“, und so weiter und so fort.

Wir verurteilen und schimpfen, motzen und meckern unentwegt über alles, was unserer Meinung nach unmoralisch, blöd, gefährlich, unnötig, verschwenderisch, egoistisch, und wer weiß, was noch alles, ist. Und klassischerweise verurteilen wir die Menschen, die alle diese schlimmen Fehler machen, gleich mit. So, als Ganzes und im Allgemeinen.

Wie können die auch so verblendet sein, und sich impfen lassen wollen? Hoffentlich wächst denen allen ein Tentakel ausm Rücken von der Impfung, das würde ihnen recht geschehen. Wie können die auch so herzlos sein, Tiere zu schlachten und zu essen, wie können die auch so Deppen sein, vegan leben zu wollen. Wie kann man nur während einer Pandemie auf eine Demo gehen, wie kann man nur so blöd sein, die AfD zu wählen, wie kann man nur so hirnlos sein, die Grünen zu wählen, wie kann man nur Zeit auf Facebook verschwenden, ja, WIE KANN MAN DENN NUR SO DERMASSEN BLÖD SEIN???

Wie kann man nur so blöd sein, einen Artikel mit so einem bescheuerten Inhalt ins Internet zu stellen? Oder auf so eine verrückte Idee kommen, mit Blühpatenschaften die Welt retten zu wollen!!!

Unsere Gesellschaft ist degeneriert, die Menschheit eine Geißel für die so schöne Erde, die Maskenträger sind Schlafschafe, die Anderen Aluhut-Träger von der YouTube-Universität.

Ja, und jetzt? Irgendwie haben wir uns kollektiv in die Verurteilungen der Anderen verrannt.

Die Frage ist: Wie kommen wir da wieder raus?

Meine persönliche Antwort ist: Wir brauchen Brückenbauer:innen.

Wir brauchen Menschen, möglichst viele, je mehr, desto besser, die über ihre Vorurteile hinauswachsen. Wir brauchen Leute, die Verbindungen schaffen, wo wir uns voneinander entfernt haben.

Und wie baut man eine Brücke? Ich würde sagen, zuallererst einmal Zuhören. Oder noch besser: Lauschen. In dem Wort „Zuhören“ steckt das Wörtchen „zu“. Wie in zumachen, zusperren, eben etwas verschließen. Zuhören ist auf jeden Fall schon mal besser, als verurteilen.

Lauschen ist vielleicht noch einen Tick offener. Wenn man lauscht, öffnet man seinen Geist und sein Herz, wird sensibler für die Zwischentöne, für das Leise, für die Dinge, die man sonst vielleicht „überhören“ würde.

Also Lauschen.

Der nächste wichtige Schritt wäre: Ruhe bewahren. Das hört sich vielleicht trivial an. Ist aber leichter gesagt, als getan.

Und wenn man dann ruhig lauscht, versteht man dann vielleicht plötzlich die Beweggründe des anderen und entwickelt Mitgefühl.

Und in dem Moment, in dem man Mitgefühl entwickelt, fängt man an, Brücken zu bauen.

„Ja, ich verstehe, dass Du Angst vor einer Impfung hast. Und Du musst Dich ja auch nicht impfen lassen. Und ich verstehe auch, dass Du Angst vor einer Impf-Pflicht `durch die Hintertür´ hast. Aber so weit sind wir ja noch lange nicht. Und findest Du nicht, dass es auch Menschen gibt, für die eine Impfung wirklich hilfreich wäre? Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, und tagtäglich in voller Schutzmontur schwitzen müssen?“ Darauf könnte dann selbst ein erbitterter Impfgegner sagen, dass man den Leuten im Krankenhaus ja schon wünschen würde, wenn sie nicht vermummt wie im Science Fiction Film ihrer Arbeit nachgehen könnten. Und wenn die lieber das Risiko von Nebenwirkungen eingehen, als unter ihrer (sorry für das Wortspiel) Schutzkleidung, dann wäre das ja auch ihre Entscheidung. Und die hätte ja erstmal noch keine negativen Auswirkungen auf das eigene Leben. Es wäre nur eine Verbesserung für das der Betroffenen.

Man kann doch eigentlich immer einen Konsens finden.

Dafür braucht es nur erstmal Lauschen und Ruhe bewahren. Das Mitgefühl und der Kompromiss kommen dann erfahrungsgemäß ganz von alleine.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Roland

    Dazu fällt mir heute nur eins ein: Toller Artikel, super geschrieben und die Messages sollte zur Pflichtübung für jeden werden. Intoleranz ist etwas ganz furchtbares.

  2. Angela Dremow

    Lauschen gefällt mir sehr gut 😊

    1. Katrin Zwickl

      Das freut mich sehr! Ich lausche auch immer lieber, und werde immer besser darin. Übung macht die Meisterin! 🙂 <3

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