You are currently viewing Von nutzloser Schönheit und nutzvoller Unansehnlichkeit

Von nutzloser Schönheit und nutzvoller Unansehnlichkeit

Wir sind als Gesellschaft ziemlich oberflächlich geworden. Schönheit ist das Maß aller Dinge. Selbst, wenn etwas noch so unnatürlich ist, gilt es viel zu oft als „schön“. Als perfektes Beispiel dienen zahllose Instagram-Accounts mit lächelnden, makellosen Menschen. Jedes Pickelchen, jede Unebenheit wird unter tausenden Filtern versteckt, bis das Bild scheinbar perfekt ist.

Aber auch in Haus und Garten findet man immer wieder Beispiele dafür, dass wir den Begriff „Schönheit“ neu definieren müssen. Auch, und vor allem in Bezug auf die Natur.

Das fängt in unseren Gärten an, betrifft aber ebenso öffentliche Flächen wie Parks und Grünflächen, oder private Blühflächen, wie zum Beispiel unser Happyfield.

Das Happyfield hat nun das erste Jahr Blühzeit hinter sich. Das Blütenmeer aus hübschen bunten, einjährigen Blümchen ist verschwunden, es bleiben Kräuter und vertrocknete Reste. Für unsere Augen sieht es jetzt bei Weitem nicht mehr so wundervoll aus, und man wäre versucht, jetzt zu denken, es wäre hässlich, und hätte für die Bienen keinen Nutzen mehr.

Aber so ist es nicht!

Es gibt so viele unscheinbare Pflanzen, die den Bienen und anderen Insekten genug Nahrung und Unterschlupf bieten. Hauptnahrungsquellen für Biene, Hummel, und andere pollenfutternde Insekten sind zum Beispiel Weide, Löwenzahn, oder Steinklee. Verwildern lassen ist das Gebot der Stunde – wir müssen die Bienen nicht „füttern“, es reicht, ihnen das zu überlassen, was sich von Natur aus selbst ansät. Es schaut halt dann nicht mehr so hübsch aus, für unsere farborientierten, ungeschulten Augen.

Genauso ist es im eigenen Garten. In unseren Gärten tummeln sich unzählige Beispiele für unsinnige Schönheiten.

Hier eine Liste von „schönen“ Pflanzen, die Du auf keinen Fall in Deinem Garten anbauen solltest:

Flieder

Beliebt wegen seiner anmutigen Farbenpracht und des betörenden Duftes, stellt er für Bienen und andere Insekten einfach ein nutzloses Ungetüm dar. Flieder hat nur wenig Nektar, und der hat auch noch giftige Inhaltsstoffe. Deshalb schmeckt er (zum Glück, sonst würden sich die Honigsammlerinnen auch noch damit vergiften) für Biene und Co. bitter.

Hortensie

Sie blühen prachtvoll, sind aber geschlechtslos, und haben deshalb keine Pollen.

Rosen

Die meisten Rosenarten sind „gefüllt“, das heißt, sie haben keine oder fast keine Staubblätter, und dadurch ebenfalls kaum Pollen.

Pfingsrosen

Sehr beliebt in bayerischen Bauerngärten, aber auch hier – eine nutzlose Schönheit ohne Nektar oder Pollen.

Geranien

Haben ebenfalls sehr wenig Nektar, und durch die unnatürlich gezüchtete Form kommen Biene und Hummel auch kaum dran.

Thuja

Ich hasse Thujen-Hecken inzwischen richtig. Nutzloser, mit Verlaub, Scheiss, der keinem Tier etwas bringt. Ohne Nahrung, ohne echte Schutzmöglichkeiten, ständig mit der Heckenschere verstümmelt – reißt Eure Thujen raus und pflanzt was Richtiges, Ihr Vorstadt-Zombies!

Forsythien

So unmöglich, wie ihre Schreibweise ist, sind Forsythien auch im Garten und auf öffentlichen „Blühflächen“ absolut unbrauchbar. Überhaupt sollten Blühflächen für den Fall, dass sie mit Forsythien bepflanzt sind, eher „Totflächen“ heißen. Ihre Blüten sind steril, und bieten den Insekten gar nichts.

Übrigens: Wenn man sie umschneidet, kann man aus den Hölzchen, sie so hohl sind, wie die Pflanze selbst, tolle Insektenhotels bauen. Sie haben oft genau die richtige Größe zum Nisten für Wildbienen. So hätten sie dann doch noch einen Nutzen für die Natur im Garten.

Ihr seht, die Gärten sind voll von nutzloser Schönheit.

Unsere Hortensie muss demnächst zum Wohle der Natur dran glauben. Die war (leider) schon da, bevor wir eingezogen sind. Allerdings wurde sie wahrscheinlich in einer Zeit angepflanzt, als es noch gar kein Bewusstsein für Umweltschutz und Bienensterben gab. Jetzt ist ihre Zeit abgelaufen, und sie darf in den Hortensienhimmel.

Aber so ist es eben in der Natur – es muss etwas sterben, damit neues Leben entstehen kann.

Und demnächst hier auf den happyfields: Welche Pflanzen Du als Naturliebhaber:in und Umweltschützer:in unbedingt in Deinem Garten haben solltest! 

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Helga Ziegler

    Ich hab fast alle dieser Pflanzen, die sie “ unnützer Scheis“ nennen in meinem Garten und freue mich alle Jahre über ihre Blüh- und Farbebpracht!!! Ich werde sie sicher nicht entfernen!

    1. Katrin Zwickl

      Liebe Frau Ziegler, ja, ich weiß schon, das sind die Pflanzen, die die meisten Leute in ihren Gärten haben. Auch das ist leider ein Grund für das große Insektensterben, das wir beobachten können. Die Insekten finden einfach nichts mehr zu futtern. Und dann finden die Vögel leider keine Insekten mehr, die sie essen können. Und dann wir alles immer weniger. Wie sagte Einstein? Vier Jahre, nachdem die Bienen ausgestorben sind, wird der Mensch aussterben. Die Pflanzen sehen alle wunderschön und bunt aus. Aber das ist ja das Problem – von den klassischen Gartenpflanzen haben eben nur die Menschen was für´s Auge.
      Eine gute Möglichkeit ist es, einfach insektenfreundliche Pflanzen dazuzupflanzen, so dass es über die Jahre wieder naturnäher und bienenfreundlicher wird. In eine Ecke eine Eidechsenburg, und ansonsten viel verwildern lassen. Dann tun Flieder, Thujen und Co den Tieren nicht mehr ganz so weh.
      Tausend liebe Grüße!

  2. Katrin

    Liebe Katrin, vielen Dank für den informativen Artikel. Ich freue mich schon auf Teil zwei. Als Neugartenbesitzerin und Naturliebhaberin bin ich gespannt auf deine Pflanzentipps. Liebe Grüße

    1. Katrin Zwickl

      Kommt demnächst, meine Liebe! <3 Und ganz herzlichen Dank für den schönen Kommentar! Dicken Drücker!

Schreibe einen Kommentar