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Menschen brauchen echte Liebe, keine bezahlten Betreuer:innen!

Oh oh oh, jetzt öffne ich eine Büchse der Pandorra. Ein emotionales Thema, eins, das man am liebsten nicht mal mit der Kneifzange anfasst. Warum mache ich das? Weil ich mich seit Langem mit der Funktionsweise der Psyche auseinandersetze. Weil ich die menschlichen Entwicklungsstadien sowohl auf der körperlichen, als auch auf einer emotionalen Ebene für viele Prüfungen in- und auswendig gelernt habe. Weil es mir am Herzen liegt.

Und weil ich finde, dass viel zu viele Irrtümer über all diese Dinge vorliegen. Und die möchte ich jetzt einfach mal aufzeigen. Aus einer psychodynamischen Sichtweise. Aus einer menschlichen Sichtweise. Aus einer antikapitalistischen Sichtweise.

Der Kern meiner Aussage ist: Menschen brauchen Menschen. Und zwar welche mit engen emotionalen Bindungen. Und nicht wechselndes Personal, das für die Arbeit bezahlt wird.

Ein großer Irrglaube ist zum Beispiel, dass das Thema der Unterbringung in einer Einrichtung ein Baustein für die weibliche Emanzipation ist. So ein Schmarrn! In unserer Gesellschaft ist keine Frau mehr gezwungen, Kinder zu bekommen, zu heiraten, die Hausarbeit (alleine) zu machen.

Wir Frauen sind freie Wesen – wenn wir lieber arbeiten, als zuhause zu sitzen, hält uns nichts und niemand davon ab!

Da schreien dann bestimmt gleich wieder viele berufstätige Mütter, dass sie ja arbeiten MÜSSEN. Oder sie einfach BEIDES haben WOLLEN – Kinder und Karriere. Sorry, aber da stellt es mir persönlich die Nackenhaare auf. Es ist nun mal ein Fakt, dass man sich im Leben entscheiden muss. Entscheidungen gehören natürlicherweise zum Leben. Was will ich essen? Wo will ich wohnen? Welche Art von Beziehungen will ich führen? Und so weiter. Das Leben besteht, und entspinnt sich aus Entscheidungen. Jeden Tag. Jede Sekunde.

Deshalb finde ich es aberwitzig, zu sagen, man will beides haben, Karriere und Kinder. Sorry, Mensch, aber entscheide dich. Beides geht einfach immer zu Lasten der Schwächsten in dieser bescheuerten Argumentationskette. Der Kids.

Deshalb will ich hier und jetzt mit dem beiden größten Falschbehauptungen aufräumen, die in Bezug auf die Vereinbarkeit von Kind und Karriere in unserer Gesellschaft gebetsmühlenartig wiederholt werden. Nämlich, dass bezahlte Arbeit unausweichlich, und Kinder und Job easy zu vereinbaren wären.

  1. Niemand MUSS arbeiten. Jaja, ich weiß, Miete zahlen und so. Aber gerade in einem Sozialstaat wie unserem ist niemand verpflichtet zu arbeiten. Du WILLST arbeiten, weil Du NICHT Hartz 4 beziehen willst. Das ist verständlich. Aber trotzdem bleibt es eine Tatsache, dass Du nicht musst. Es ist Deine Entscheidung. Wenn Du außerdem so schlecht verdienst, so einen miesen Arbeitgeber hast, keine:n Zweitverdiener:in in Deiner Familie hast, und trotzdem schwanger geworden bist, hast Du wirklich diverse Fehler in Deiner Lebensplanung gemacht. Da bist Du nicht ein Mal falsch abgebogen, sondern so oft, dass es aus diesem von Dir selbst erschaffenen Lebenslabyrinth wohl keinen echten Ausweg mehr geben wird. Damit musst Du dann eben Leben. Dann kann man auch einfach daheim bei seinem Kind bleiben, und Hartz 4 beziehen. Dann könntest Du wenigstens eine Sache in Deinem Leben von Grund auf richtig machen: Einfach für Dein Kind da zu sein. Oder willst Du das auch noch in den Sand setzen, indem Du Dein Kind so früh wie möglich in die Krippe gibst? Ein Kind zieht sich nun mal nicht von alleine groß, es braucht Zeit und Geld, Erziehung und Begleitung, es wird krank, es gibt Elternabende und Arzttermine. Wenn Du ein Kind bekommst, ohne Netz und doppelten Boden, ohne vorher darüber nachzudenken, wie Du das Ganze finanzierst, oder wie Du die Kraft dafür hernimmst, oder wie Du im Notfall die Betreuung regelst, solltest Du dringend anfangen, Dein ganzes Leben von Grund auf neu zu organisieren.
  2. Beides, Kind und Karriere zu haben, ist praktisch unmöglich. Erzieher:in ist eine Ausbildung, die 5 Jahre dauert. Ein Kind zu erziehen ist also eine verantwortungsvolle Aufgabe, die viel Wissen und KnowHow erfordert. Wie Dein Job wahrscheinlich auch. Ich kenne nur sehr, sehr wenige Menschen, die zwei fordernde Jobs auf einmal hinbekommen. Und die stehen jeden Tag früh auf, sind unglaublich strukturiert, haben vor den Kindern viel Zeit mit Studium, Aus- und Weiterbildung verbracht, verdienen so gut, dass sie sich auch mit viel weniger Arbeit noch ihr Leben bequem finanzieren können. Und die wenigen, die ich kenne, die das gut auf die Reihe bekommen, sind absolute Nicht-Konsumenten.

Es bleibt die Erkenntnis, dass man eben nicht alles haben kann. Willst Du lieber weniger Zeit mit Deinen Kindern verbringen, um in die Arbeit zu gehen, und Geld zu verdienen, dass Du dann einfach ver-konsumieren kannst? Wozu hast Du dann Dein Kind/Deine Kinder? Wenn Du lieber konsumierst, als Dich zu kümmern?

Wer sich nicht in Verzicht üben kann, lässt auch hier wieder die Schwächsten für die Ich-will-alles-und-zwar-sofort-Einstellung zahlen. Das zeigt sich übrigens auch im Fall von Konsum: Nur, damit wir hier eine riesige Auswahl an Konsumgütern haben, Elektronik, Mode, Haushaltsgegenstände, Möbel, usw. müssen in den armen Regionen der Welt Kinder und Erwachsene ohne Sozialversicherung und angemessene Entlohnung schuften bis sie sterben. Aber ist ja wurscht, wenn ich einfach ALLES will, dann ist das eben so.

Bist Du denn bereit, zu verzichten? Ich kenne Leute, die das machen. Die verzichten, die fokussiert sind, die wirklich jede Minute des Tages bewusst nutzen. Die bekommen Kinder und Job sehr gut auf die Reihe. Und seltsamerweise sind die es, die ihre Kinder nicht in eine Kita stecken. Weil sie wissen, dass die ersten Jahre in der Entwicklung eines Kindes essentiell sind. Weil sie wissen, dass kleine Kinder unter drei Jahren ausschließlich die Eltern brauchen. Weil die es möglich machen, Beziehung, Familie, Geld, Job und Kinder so zu organisieren, dass immer mindestens einer von beiden zuhause ist, und es auch genug Zeiten gibt, wo beide Eltern sich gleichzeitig um die Kinder kümmern. Ja, das Geld wird dann eventuell ein bisschen weniger. Aber auch das haben erfolgreiche Menschen im Blick. Auf geschickte Weise senken die dann ihre Kosten, verzichten auf Konsum, verzichten auf Flugreisen und Markenklamotten. Willst Du das? Ein erfolgreiches Leben mit Karriere und glücklichen Kindern? Dann lerne zu verzichten.

Das Gleiche gilt auch für Behinderteneinrichtungen und Altenheime. Bei Altenheimen ist es zwar ein bisschen anders, aber die Grundprinzipien sind überall die gleichen.

(Für die Unterbringung im Altenheim ist es deswegen anders, weil es natürlich sehr entscheidend ist, wie die alten Leute früher mit ihren eigenen Kindern umgegangen sind, welche Werte sie ihnen beigebracht haben, und wie tief die emotionale Verbindung war/ist. Wie man sich bettet, so liegt man eben. Bei Kindern und Menschen mit Behinderung kann man das nicht behaupten, die haben nicht vorher ein Leben lang Zeit, dafür zu sorgen, dass sie liebevoll behandelt werden, wenn sie Hilfe nötig haben.)

Wir haben als Gesellschaft vor einigen Jahrzehnten angefangen, alles auszusortieren, was nicht produktiv ist, was keine Leistung bringt, was kein Geld bringt.

Kinder? Unproduktiv, müssen „weg“.

Also, die Leute sollen schon noch Kinder bekommen, kleine fleißige Drohnen, die wieder für Konsum und Geldfluss sorgen. Aber sie sollen sie nicht selber aufziehen. Also weg damit in die Kita.

Alte? Um Gottes Willen, man muss doch arbeiten gehen! Menschen mit Behinderung? Los, ab in die Einrichtungen damit! Da können die dann zumindest noch einige wenige Kröten verdienen in der „Schlauchgruppe“ für BMW. Die gibt es übrigens wirklich! Die Schlauchgruppe fertigt Schläuche für BMW, und die Mitarbeiter:innen bekommen im Monat für eine Vollzeit-Beschäftigung 600 Euro. Findet das irgendjemand gerecht?

In meiner Kindheit und Jugend war es noch so, dass Menschen mit Behinderung einfach in die Gesellschaft integriert waren. Sie haben Akten am Amt rumgetragen, waren Handlanger in den Handwerksbetrieben, haben einfach dazugehört.

Auch die alten Leute haben immer dazugehört. Sie waren einfach da. Altenheime hat es nie gebraucht, weil zum Beispiel dementielle Erkrankungen kaum vorgekommen sind. Warum? Weil Familie und ein engmaschiges soziales Netz mit festen Aufgaben für die Omas und Opas in einer Familie allen Demenzerkrankungen vorbeugen.

Ihr wollt eine gesunde Gesellschaft? Dann hört auf, bereits die Kleinsten in Einrichtungen zu stecken, wo bezahltes Personal für die „Erziehung“ zuständig ist. Denkt Ihr ernsthaft, einem Baby oder Kleinkind „gefällt“ die Kita? Nein, tut sie nicht! Kleine Kinder brauchen keine anderen Kinder. Das ist eine Lüge, die Euch der Staat erzählt, damit Ihr arbeiten geht. Und Ihr glaubt sie nur zu gerne, um Euer schlechtes Gewissen zu beruhigen. Kinder brauchen ihre Eltern. Je kleiner, desto mehr nur die Mama.

Und wenn Ihr Eure Kinder schon im Babyalter in die Krippe steckt, braucht Ihr Euch nicht wundern, wenn Eure Kinder Euch dann mal ins Heim stecken – immerhin seid Ihr da super versorgt. Und die müssen ja schließlich arbeiten gehen. Sorry Mama, dass ich Deine Hand nicht halten kann, wenn Du stirbst. Aber Du verstehst das bestimmt, ich hab wichtige Termine in der Arbeit. Und die Schwestern sind ja da, die schauen schon, dass Du nicht allein bist auf Deinem letzten Weg. Immerhin zahlen wir ja jeden Monat viel Geld für´s Heim….

Wollen wir das wirklich? Wann erkennen wir endlich, dass wir in bescheuerte Jobs rennen, um Geld zu verdienen, das wir nur wieder in einen unnötigen Kreislauf aus Kapitalismus und Konsum investieren? Soll das ein erfülltes Leben sein? Wo ist da der Sinn? Wo ist da die Freude? Ich frage mich, ob der letzte Gedanke des Konsumenten ein freudiges: „Mann, hab ich mir viele schöne Sachen gekauft!“ sein wird.

Wie sieht das ideale Ende Deines Lebens aus? Immerhin ist das eins der wenigen Dinge, die alle Leben gemeinsam haben: Irgendwann ist es vorbei. Dann kommt der letzte Atemzug und der letzte Gedanke. Darauf läuft irgendwie alles hinaus.

Wie im Theater. Der wirklich entscheidende Moment ist der, wenn der Vorhang fällt, und das Publikum hoffentlich in tosenden Applaus ausbricht.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ilse

    Oh, Katy, wo bleibt deine buddhistische Gelassenheit? Das „immer beide Seiten sehen“?
    Und wo bleiben die Väter/Männer? Die können das nämlich auch ganz gut mit der Kinder- und Altenpflege.
    Ich fürchte, dir ist ein bisschen der Gaul durchgegangen, warum wohl?

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