Die zweite Reihe der Altruisten: Roland Eichler

Liebe Leserinnen und Leser, die, die dem Blog schon eine Zeit lang folgen, dürften sich vielleicht ein bisschen wundern, warum ich zum ersten Mal die Männer extra anspreche und nicht nur bei der weiblichen Form mit meine. Das liegt an meinem heutigen Interview- Partner, dem Roland Eichler. Der ist nämlich einer von denen, die meine Entscheidung, nur die weibliche Anrede zu benützen, sehr kritisch sehen. Und Ihr wisst ja – ich mag freundschaftlich-respektvolle Kritik. Das ist immer eine Chance, zu wachsen, und sich selbst noch klarer über die eigenen Ziele und deren Formulierungen zu werden. Also habe ich dem Roland zuliebe dieses Mal die klassische Anrede für zwei Geschlechter genommen.

Unser Happyfields-Projekt ist in gewisser Weise in konzentrischen Kreisen aufgebaut – in der Mitte sind der Josef und ich. Wir hatten die Idee und erledigen die meiste Arbeit. Der nächste Kreis sind unsere Familien und Freunde. Also, unsere echten Freunde. Freunde ist ja ein inflationär verwendetes Wort in unserer Zeit. Man hat Freunde in allen Social Media – Kanälen und rund um die Welt. Für mich ist eine echte Freundin jemand, den ich um 4 Uhr morgens anrufen könnte, weil ich mit meinem Auto liegen geblieben bin, oder ein anderer Notfall wäre, und sie würde mir ohne weitere Fragen zu stellen einfach helfen.

So einer ist der Roland, und natürlich auch seine Liebste, die Tina, für mich. Roland macht vollkommen unentgeltlich, aus reinem Altruismus heraus, unglaublich viel für unsere Happyfields. Er macht Fotos, Videos, und berät mich in allen Fragen rund um Marketing und Co.

So einen erfahrenen Medienprofi an der Seite zu haben, ist für ein Projekt wie das unsere von unschätzbarem Wert. An dieser Stelle zuallererst einmal ein riesiges Dankeschön an Dich, lieber Roland, an Deine Süße und an Dein Unternehmen die Imagefabrik!

Damit Ihr den Roland ein bisschen besser kennen lernen könnt, habe ich ihn um ein Interview gebeten und er hat natürlich, er ist ein eben ein echter Altruist, ein Umweltschützer, Fan der Happyfields und Freund, zugesagt.

Gleich zu Beginn frage ich ihn, was seine Beweggründe sind, uns so sehr zu helfen.

„Ich bin ein Mensch, der sich in der Vergangenheit oft neu erfunden hat, manchmal auch erfinden musste. Dabei macht man ja viele Erfahrungen, probiert Dinge aus, von denen nicht immer alle funktionieren, die kann man ja dann auch an andere weitergeben.“

Ich denke an ein Zitat vom Dalai Lama, der sagt, dass einer der besten Wege, Unsterblichkeit zu erlangen, ist, sein Wissen weiterzugeben. Da ist er Roland ja schon mal auf einem guten Weg, finde ich.

Dann stelle ich eine Frage, die in vielen Interviews gerne zu Beginn gestellt wird. Ich mag diese Frage, weil sie einen gewissermaßen dazu zwingt, oft komplexe Dinge stark zu vereinfachen. Unser Gehirn mag es gerne einfach, deshalb ist diese Frage wohl auch so beliebt: „Wenn Du einer Fünfjährigen erklären würdest, was Du beruflich machst, wie würdest Du das dann beschreiben?“

Roland überlegt nicht lange: „Ich mache Video und Fotos, die anderen dabei helfen, ihre Angebote und Leistungen zu verkaufen.“ Das kam aber wie aus der Pistole geschossen – hast Du die Frage schon öfter gestellt bekommen? Nein, hat er nicht. Ist ihm grade so eingefallen. Der Roland ist halt ein echter Medienprofi.

Aber er hat sich natürlich schon öfter Gedanken darüber gemacht, was gut ankommt bei Lesern und Zuhörern und wie man im Gedächtnis bleibt. Er erzählt mir die Geschichte, als er bei einem Unternehmerfrühstück eingeladen war. Seine Aufgabe war es, in genau einer Minute eine Kurzvorstellung von sich und seinem Gewerbe zu machen. Das ist ganz schön schwierig, weil eine Minute wirklich sehr kurz ist. Da muss man dann sich dann wirklich immer wieder korrigieren und es noch kürzer und noch prägnanter formulieren. Und trotzdem die Zuhörer nicht überfordern. Wir haben ja gerade schon gelernt, dass unser Gehirn es gerne einfach und gemütlich hat.

Außerdem muss man die Leute immer neben der Aussage auch auf einer emotionalen und mentalen Ebene ansprechen. Roland sagt, das ist oft schwierig, weil man gerade in der Kreativbranche sehr gefordert ist, außerhalb der berühmten Box zu denken. Querdenker sind die, die die Welt immer vorangebracht haben, sagt Roland. Nur leider, meint er, ist Querdenken eben oft nicht so angesagt. In diesem Spannungsfeld zwischen den Erwartungen der Zielgruppen und dem Anspruch des kreativen Geistes findet also der Hauptteil der Arbeit von Marketing-Spezialisten statt.

Wenn er arbeitet, schaut er sich seine Projekte immer aus der Kundenperspektive an. „Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.“ sagt er.

Nachdem wir das Leben als Künstler und Medienprofi ein bisschen durchgeackert (was für ein passender Ausdruck in einem Happyfields-Interview) reden wir über das Projekt und dessen Anfänge. Gleich, nachdem Josef und ich unseren Pakt geschlossen hatten, hab ich den Roland angerufen und ihm davon erzählt.

„Du warst ja von Anfang an total begeistert von der Idee – warum?“

Er denkt kurz nach und spricht jedes Wort mit Bedacht aus:

„…weil man als kritischer Mensch erkennen muss, dass es höchste Zeit ist, Dinge zu ändern. Das Problem bei einer klassischen Spende ist, dass man nicht so konkret weiß, wofür das gespendete Geld eigentlich verwendet wird. Das Happyfields-Konzept hat die Chance, mit einem, für wirklich jeden, überschaubaren Betrag wichtige Dinge zu bewegen mit einem unmittelbar sichtbaren Erfolg. Du kannst live erleben, was Dein Beitrag bewirkt.“

Wow, das ist aber ein schöner Satz. Hat er den wohl schon mal auswendig gelernt? Nein, hat er sich auch grad so überlegt. „Es hinterlässt einfach immer ein besseres Gefühl, wenn es sich um eine konkrete Sache dreht. Viele Organisationen werben mit Bildern von lächelnden Kindern in Afrika. Das spricht einfach nicht so stark an wie zum Beispiel das Bild von einem Schulbuch, das konkret mit meiner Spende gekauft wurde. Und so ist es eben auch mit den Blühpatenschaften.“

„Roland, ich möchte mich jetzt wirklich noch einmal herzlich bei Dir bedanken. Es ist wirklich der Wahnsinn, was Du für uns machst!“ – „Ach,“ meint er „das sind doch nur Kleinigkeiten. Wenn man was tun kann, dann soll man es auch tun.“

Ich lache, ja, nur an Deiner Ernährungsform müssen wir noch arbeiten. (Roland ist ein ausgesprochener Liebhaber von Schweinsbraten und Co.) Da gibt er mir bis zu einem gewissen Grad sogar recht. Ich hake nach: „Wäre es nicht schön, wenn wir eine genauso schmackhafte, reichhaltige und abwechslungsreiche Ernährungsform hätten, für die kein Tier sterben muss?“ – „Klar, und zum Wohle aller Wesen bemühe ich mich auch täglich darum. Aber ja, ich esse Fleisch. Momentan will ich noch nicht darauf verzichten. Mit Betonung auf noch. Aber zumindest essen wir kein Billigfleisch vom Discounter, und achten darauf, dass die Tiere nicht weit transportiert werden. Bei ausgewählten Metzgern, die bei den Landwirten in der Umgebung einkaufen, können wir uns sicher sein, dass die Transportwege kurz ausfallen und der Stress für die Tiere so klein wie möglich ist.“

Außerdem sagt er, sieht er das auch aus einem darwinistischen Blickwinkel. So ist halt die Natur, fressen und gefressen werden. Da gebe ich ihm recht, mein Einwand ist aber, dass die Natur natürlich grausam ist, aber wir Menschen doch da eigentlich den Unterschied zu den Raubtieren und zu anderen Grausamkeiten der Natur machen. Wir kümmern uns um unsere Alten, Kranken, und Mitmenschen mit Behinderung. Wir therapieren, helfen, fördern. Wir haben die Wahl. Der Löwe in der Steppe kann sich schlecht für Kartoffelgratin statt Antilope entscheiden, oder die Krokodil-Mama ihr behindertes Junges zum Krokodil-Therapeuten bringen, der ihm schwimmen und fressen beibringt. Wenn der Löwe die Antilope nicht frisst, verhungert er. Und das Krokodilbaby muss sterben. Bei uns Menschen ist das anders. Wir sind eben „menschlich“. Das macht uns als Spezies doch aus.

Ich sehe schon, uns geht der Diskussionsstoff für die nächsten Leben wahrscheinlich nicht aus.

Ich frage, wie es ihm jetzt eigentlich in dieser verrückten Zeit geht.

Wir führen das Gespräch, wie in C***-Zeiten üblich, per Videochat. Ich bin ein bekennender Fan der neuen Kommunikationsarten, ich genieße es, mich mit Menschen treffen zu können, die wie ich grade in Jogginghose und Schlabberlook vorm Computer sitzen.

Roland sieht das ein bisschen kritischer. Er findet, so ein Videochat ist einfach nicht wie ein echtes Treffen, es ersetzt nicht den persönlichen Kontakt. Man sieht so wenig vom Gegenüber, die Körpersprache geht größtenteils verloren, es fehlt einfach so viel, wenn man sich nur über einen Bildschirm sieht. „Das ist wie, wenn man sich durch die Jacke kratzen muss.“ Ein sehr bildhafter Vergleich, sofort juckt es mich unter dem Pulli und ich kann mir gut vorstellen, wie Roland sich fühlt beim Videochat.

Wir witzeln, dass man, wenn man seinen Mittelfinger nicht direkt in die Kamera hält, den anderen auch anlächeln, und ihm trotzdem den Finger zeigen kann, und keiner außer einem selbst bekommt es mit. Das stimmt schon, was er sagt. Nonverbale Kommunikation macht den mit Abstand größeren Teil aus. Die digitalen neuen Möglichkeiten sind schön, aber für ihn nur eine Ergänzung.

Dann sprechen wir noch ein bisschen über die Baubranche, in der Roland hauptsächlich als Werbetreibender unterwegs ist, die Auswirkungen der aktuellen Krise auf die Branche, und seine Herzensangelegenheit, nämlich Holzbau. Das ist ein weites interessantes Feld und genug Stoff für einen extra Blogbeitrag. Der kommt in Kürze, versprochen!

Zum Schluss frage ich ihn, was er uns allen unbedingt noch sagen will. Zum ersten Mal seit einer Stunde überlegt er lang.

„Was ist wohl am allerwichtigsten? … Hmmm. Am wichtigsten ist: es ist höchste Zeit für uns Menschen, unser Verhalten zu überdenken, sich selbst zu hinterfragen und sich darüber Gedanken zu machen, was wirklich wichtig ist. Weniger Konsum, mehr Reparieren. Es ist nicht nachhaltig, sich immer nur das Neueste zu kaufen, nur weil es jetzt grade neu und cool ist. Lieber die Sachen so lange hernehmen wie möglich, egal, ob es das Handy, der Fernseher, ein Auto oder sonstwas ist. Unser Fuhrpark, bestehend aus einem gemeinsam genützten Auto und einem firmeneigenen Wohnmobil, war bevor wir ihn vergangenes Jahr notgedrungen erneuern mussten, zusammen 33 Jahre alt. Das ist doch was, oder? Für mich ist dieser übertriebene Konsum nur ein Trostpflaster für die zwischenmenschlichen Defizite unserer Zeit. Anstatt diese Schmerzen wegzukonsumieren, sollte man lieber an der Ursache arbeiten. Der Schlüssel dafür ist unser Bewusstsein.“

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Roland

    Das hast Du echt schön rübergebracht, liebe Kati!
    Ich danke Dir für Dein Interesse und das angenehme „durch die Jacke kratzen“-Gespräch :-)…

    1. Katrin Zwickl

      Lieber Roland, ich hatte wirklich eine sehr coole Zeit mit Dir – egal, ob am Bildschirm oder „in echt“, es fühlt sich immer gut an! <3

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