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Die Menschheit ist ein uneinsichtiger Patient kurz vor dem Herzinfarkt

Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich als Physiotherapeutin mit Gesundheit, Krankheit, und Heilung. Seit ich mit der Ausbildung angefangen habe, bin ich fasziniert vom menschlichen Körper, von seinen Selbstheilungskräften, und von den Psychodynamiken, die im Hintergrund auf diversen unbewussten Ebenen ablaufen.

Überhaupt ist Bewusstsein ein absolut unterschätztes Thema, wenn es um die Entstehung von Krankheiten geht. Letztendlich ist es nämlich das Bewusstsein, das Heilung erschafft.

Ein kleines Beispiel aus der Praxis, damit diese Theorie greifbarer wird:

Eins der obersten Therapieziele bei Rückenschmerzen ist eine gute Körperhaltung. Sie trainiert die Rückenmuskeln ohne Zeitaufwand, und ist auch ansonsten der Gesundheit auf vielerlei Weise zuträglich.

Meistens ist es so, dass Menschen eine schlechte Haltung haben, weil es ihnen nicht auffällt. Die ganze Therapie besteht also vor allem darin, den Leuten bewusst zu machen, wie krumm sie sitzen und stehen. Dann muss man ihnen nur noch zeigen, wie es richtig geht, und sie darin schulen, immer mal wieder ihre Körperhaltung zu überprüfen. Sie sollen sich bewusst zu machen, wie sie gerade sitzen, und sich daraufhin selbst korrigieren können. So baut sich die Muskulatur Stück für Stück auf, bis eine aufrechte Haltung die Normalität ist, und die schief-lümmelnde die Ausnahme. Vorher war es umgekehrt.

So schafft einfach nur das Bewusstsein am Ende eine verbesserte Gesundheit. Und so ist es mit (fast) allen Krankheitssymptomen. Bewusstsein heilt. Fehlendes Bewusstsein macht krank.

Durch fehlendes Bewusstsein können nicht nur (siehe oben) Bandscheibenvorfälle und Nackenschmerzen entstehen, sondern eben alle möglichen Krankheiten. Ebenfalls ein gutes Beispiel ist der gefürchtete Herzinfarkt. Der entsteht nämlich nicht aus dem Nichts. Der kündigt sich an, schon Jahre zuvor. Es kündigt sich an durch Überlastungserscheinungen, Müdigkeit oder Schlaflosigkeit, durch Muskelverspannungen, oder jahrelange Kopfschmerzen.

Wenn man diese Signale des Körpers nicht ernst nimmt, und ständig weiter im roten Bereich dreht, gibt die arme Pumpe eben irgendwann zumindest partiell den Geist auf.

Der Punkt ist aber: Die meisten Betroffenen tun so, als hätte sie der Infarkt völlig unerwartet getroffen. Und die Schulmedizin unterstützt diese Wahrnehmung. Laut Schulmedizin sind 25% aller Infarkte ohne Vorankündigung. Was natürlich ein totaler Schmarrn ist. Natürlich kündigt er sich an. Nur eben leiser und feiner, nicht mit einer klassischen „Angina pectoris“, also wenn der Brustkorb sich plötzlich beängstigend eng anfühlt.

Wenn kein Bewusstsein für alle die vorhergehenden Signale vorhanden ist, macht der Mensch solange den gleichen Stiefel weiter bis es ihn „überraschend“ vom Sockel haut. Für viele Außenstehende war es allerdings gar nicht so überraschend.

So nehme ich das im Moment auch mit der Menschheit als Ganzes wahr. Sie ist krank.

Man könnte die Krankheit vielleicht „Kapitalismus“ nennen.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Wir machen uns bewusst, dass die Menschheit krank ist, und was zu der Erkrankung geführt hat. Dann verbessern wir dieses Fehlverhalten Schritt für Schritt.

Aber es gibt auch die andere Möglichkeit, die im Moment eher die kollektive Strategie zu sein scheint: Wir ignorieren es. Wie der Herzinfarkt-Gefährdete alle Warnsignale verdrängt, tun wir so, als wäre alles in Ordnung. Wir verschwenden wertvolle Ressourcen, als wären sie unbegrenzt, wir verschwenden unsere Leben in sinnlosen Jobs in einem kranken System, wir verschwenden unsere Talente, weil sie kein Geld einbringen, wir sind eine rundum verschwenderische Gesellschaft.

Und unsere Lebensgrundlagen verschwinden Stück für Stück. Aber wir ignorieren es weiterhin, und tun, als wäre alles normal. Bald wird es Bewässerungsverbote geben, weil das Wasser WIRKLICH auch in ehemals wasserreichen Regionen knapp wird, es wird Überschwemmungen geben, und Umweltkatastrophen.

Eigentlich kann man die Symptome überall spüren. Das Wetter verändert sich gerade auf dramatische Weise, Umweltkatastrophen nehmen zu, genau wie Artensterben, Umwelt-, und Meeresverschmutzung.

Und wie verhält sich die Menschheit? Wie der klassische unbewusste Patient, der alle Warnzeichen ignoriert, und bei jedem neuen Zipperlein so tut, als wäre es nur eine vorübergehende, von allen anderen Symptomen unabhängige Erscheinung.

Und wenn dann der Herzinfarkt kommt, ist man ganz schockiert. Wie konnte das denn nur so unerwartet passieren?

Corona war eine kleine Angina pectoris. Auch die kann man noch getrost verdrängen. Tut ja nur kurz weh. Ist gleich wieder vorbei, und dann geht´s weiter wie zuvor.

Ich muss mich in der Praxis immer sehr zurückhalten, wenn Patienten von ihren Schmerzen erzählen. Viele Patienten und Patientinnen kommen oft lange Zeit zu mir, und ich sehe von außen jede kleine Veränderung. Wenn ich sie darauf hinweise, und ihnen Tipps zur Heilung gebe, sind sie manchmal richtig empört. Was sollen sie denn noch alles machen oder weglassen! Dafür haben sie ja nun wirklich keine Zeit! Wie ich mir das vorstelle! (Wichtig: Nicht alle sind so! Aber doch ein nicht unerheblicher Teil.)

So ist es im Moment mit der Welt: Sie ächzt und stöhnt, aber die meisten Menschen hören nicht hin. Konsumieren weiter, verschwenden und verschmutzen weiter – soll man denn jetzt auf einmal gar nichts mehr dürfen!!!

Wenn der große Infarkt der Welt kommt, wird das Geschrei groß sein. Und er wird kommen, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Es sind alle Anzeichen da. Dann wird die Not groß sein. Wir sehen ja jetzt schon, dass alles knapper wird. (Unter anderem eben das Trinkwasser. Aber das glaubt auch niemand, solange bis braune oder gechlorte Brühe aus dem Hahn kommt. Dann wird der Schock riesig sein.)

Und die wenigen, die versucht haben, Heilung und Achtsamkeit in die Welt zu bringen, erwischt es dann leider mit. Immerhin haben wir dann danach immer noch eine Sache, die die anderen nicht haben: Uns bleibt dann zumindest noch das „wir haben es euch ja gesagt.“

In dem Fall wäre es mir zwar lieber, wenn ich nicht recht behalten würde, aber ich bin ja nicht die Einzige, die das kommen sieht. Es gibt tausende, viel gescheitere Menschen als mich, Wissenschaftler:innen, Umweltaktivist:innen, Forscher:innen, die seit vielen Jahren und Jahrzehnten versuchen, sich Gehör zu verschaffen. Aber nichts passiert.

Normalerweise fühlt es sich für die meisten Menschen ziemlich gut an, recht zu behalten.

In dem Fall wäre es aber bestimmt allen warnenden Stimmen lieber, glücklich zu sein, als recht zu haben.

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