Das einzige, was die Welt retten kann, ist radikaler Konsumverzicht.

Das einzige, was die Welt retten kann, ist radikaler Konsumverzicht.

Nein!! Schreien da gleich die ersten! Das geht gar nicht! Was passiert denn dann mit unserer WIRTSCHAFT? Die Wirtschaft ist doch das Wichtigste, die muss weiterbestehen, sonst sterben wir alle.

Oder so ähnlich. Es kommt einem, wenn man in die Nachrichten, und allgemein in die Medien schaut, immer so vor, als wäre die Wirtschaft unsere heilige Kuh. Kritik üben, Systemwechsel fordern, über Wichtigeres reden, Soziale Aspekte ansprechen – alles ungern gesehen, und meistens mit der Bemerkung weggewischt, dass das alles wirtschaftlich nicht durchsetzbar/möglich/machbar ist. Die Wirtschaft muss wachsen. Jedes Jahr. Immer. Koste es, was es wolle.

In der Coronakrise ist den großen Konzernen der Zucker hinten und vorne reingeblasen worden, Mercedes hat beispielsweise 2020 einen der dicksten Gewinne überhaupt eingefahren. Waren es Vier Milliarden Euro? Ich hab es schon wieder vergessen, und so große Summen packt ein menschlicher Geist sowieso nicht mehr.

Die Wirtschaft hat aber den großen, ja tödlichen Nachteil, dass sie ausschließlich an Geld und Gewinn orientiert ist. Erinnert Ihr Euch an den Spruch der Amerikanischen Ureinwohner, dass wir erst viel zu spät merken werden, dass man Geld nicht essen kann?

Im Moment denkt darüber noch kaum wer nach. Egal, ob Industrie, Handel, Landwirtschaft – alle sind gewinnorientiert. Ohne Geld geht es doch nun mal nicht, wir MÜSSEN das und das verdienen, wir MÜSSEN mehr arbeiten/mehr produzieren/mehr verkaufen, sonst können wir nicht „überleben“. Komisch nur, dass es auch Menschen gibt, die mit sehr wenig Geld sehr gut überleben können.

Es wird unausweichlich eine Zeit kommen, in der die Menschen einfach nur wieder froh sein werden, Wasser zu haben. Und ein bisschen was zu essen. Und mit viel Glück ein Dach über dem Kopf. Davon sind wir noch weit entfernt. Im Moment hat die Masse der Menschen eher andere Bedürfnisse. Urlaub, Klamotten, Shopping, Konsum. Ich kenne einige Menschen in meinem Umfeld, die tatsächlich konsumsüchtig sind. (Allerdings glaub ich, die wissen das selber gar nicht.) Die bestellen und kaufen, und glauben bei jedem einzelnen Teil, dass sie es wirklich dringend brauchen. Ohne dies und jenes ist das Leben einfach nicht ganz so lebenswert.

Und dann? Zwei Wochen später ist die Liste schon wieder voll. Und die letzten Käufe schon wieder ein alter Hut. Wie viele Konsument:innen fast nur dafür arbeiten gehen, sich ihren unnötigen Konsum finanzieren zu können! Die kapieren nicht, dass sie gar nicht so viel arbeiten müssten, wenn sie einfach weniger konsumieren würden.

Aber die Lebenshaltungskosten! Bei einem hohen Gehalt sind die einfach höher! Was für ein unendlicher Schwachsinn. Niemand ist gezwungen, ein großes Auto zu fahren, Fernreisen zu machen, oder Shoppingtouren zu unternehmen. Nach fünf Jahren ist dann der Schrank voll, und sie müssen ausmisten, um Platz zu schaffen für neue Sachen, die sie unbedingt brauchen.

Wenn die sich mal die Arbeitszeit ausrechnen würden, die sie sich sparen könnten, wenn sie all das Zeug nicht gekauft hätten!

Das Abendkleid, das man unbedingt für den einen speziellen Anlass gebraucht hat, hängt jahrelang ein Mal getragen im Schrank. Und irgendwann stellt man/frau dann frustriert fest, dass man nicht mehr reinpasst. Hätte man sich eins ausgeliehen, hätte man viel Geld gespart. Und Arbeitszeit. Und Frust. Und man hätte auch noch die Umwelt geschont.

Denn was die Meisten in ihrem werbegesteuerten Konsumenten-Leben vergessen, ist, dass den wirklichen Preis, den der ganze Konsum kostet, immer unsere Umwelt zahlt.

CO2-Ausstoß durch Transporte und Produktion, vergiftete Gewässer durch Minen für den Abbau unserer elektronischen Geräte, oder durch Färbemittel für unsere Kleidung, Gift und Plastikmüll in unseren Meeren, Artensterben, Zerstörung von natürlichen Lebensräumen: Das alles verursacht ausschließlich unser privater Konsum. (Da werden jetzt einige denken: Nein, das verursacht natürlich die Industrie. Klar, aber für wen produziert denn am Ende die Industrie? Für die Verbraucher:innen, oder?)

Dabei geht es auch anders. Es gibt tatsächlich Menschen, die kaufen sich nur dann ein neues Shirt, wenn ein anderes kaputt ist. Genauso bei Schuhen. Oder sie machen sich ihre Dinge selbst, durch Nähen und Stricken, aus nachhaltigen Materialien. Das ist genau so in Ordnung für den Schutz der Umwelt. (Das sind auch die Menschen, mit denen ich persönlich am liebsten befreundet bin. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an meine Herzensmenschen. Es ist so schön, dass es Euch gibt, Ihr tollen Weltenschützer und Weltenschützerinnen!)

Ich hab zum Beispiel drei schwarze Kleider im Schrank. Eins mit langen Ärmeln, eins mit kurzen, und ein ärmelloses. Die ziehe ich seit Jahren zu allen Gelegenheiten an. Bei Hochzeiten nehme ich den bunten Schal, bei Beerdigungen den schwarzen, usw. Und noch nie hat jemand gesagt: Mann, Du hast ja schon wieder das Gleiche an wie beim letzten Mal.

Liebe Konsument:innen, seid mutig, verlasst das Hamsterrad aus Einkaufen und Wegschmeissen! Schaut Euch um, das Leben ist viel zu schön, um es mit Verschwendung zu verschwenden!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Roland

    …👍👍👍🙏🙏🙏 besser kann man es nicht schreiben. Schneller, höher, weiter…. Ich kann es nicht mehr hören. Wenn sich die Menschen mal wieder mehr auf ihre Fertigkeiten und kreativen Fähigkeiten besinnen wurden, gäbe es weniger innere Leere die sie mit Konsum füllen müssten.

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