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Corona, Selbstliebe, Abgrenzung, und Annehmen

Heute geht es mal nicht um Umweltschutz, eine bessere Welt oder meine geliebte Konsumkritik. Heute möchte ich ein Thema behandeln, dass uns lebenslang immer wieder in den unterschiedlichsten Facetten begegnet. Jedenfalls, solange man als wacher, bewusster Mensch durch´s Leben geht, und nicht irgendwo auf dem Weg eingeschlafen ist.

Wobei – was soll denn das eigentlich heißen? „Eingeschlafen“? Alle reden zur Zeit immer von schlafenden Menschen oder Schlafschafen, und jeder und jede schreit den vermeintlich Schlafenden zu, sie sollen doch bitteschön endlich aufwachen.

Also, vor allem in den Sozialen Medien. Außerhalb des Internets geht´s ja meistens noch recht gesittet zu. Bis auf wenige Eskalationen, wo Menschen ohne Uniform auf Polizist:innen, und Polizist:innen auf Nicht-Uniformierte losgehen, ist das normale Leben ja noch halbwegs friedlich. Klar, jeder und jede spürt einen rauer werdenden Ton im Supermarkt und an der Tankstelle, Menschen sind schneller genervt und weniger belastbar. Aber wir befinden uns ja schließlich auch immer noch in einer Ausnahmesituation. Die Pandemie ist noch nicht beendet, die „vierte Welle“ baut sich langsam auf, keiner weiß, wie das Jahresende und die dazugehörigen Feiertage aussehen werden.

Apropos Pandemie: Wenn ich grad schon beim Thema bin, möchte ich bei dieser Gelegenheit auch mal meine unmaßgebliche Meinung dazu schreiben. Ich möchte da einfach mal mit eventuellen Missverständnissen aufräumen.

Vielleicht dadurch, dass ich Heilpraktikerin bin, vielleicht dadurch, dass ich auf viele einen alternativen Eindruck mache, wahrscheinlich aber auch ein bisschen dadurch, dass ich mich, wenn es um das Thema Corona geht, immer sehr mit meinen Äußerungen zurückhalte, glauben viele, ich gehöre irgendwie in die Leugner-/Kritiker-Gruppe. Dem ist nicht so. Ja, ich halte die meisten Maßnahmen für ziemlich bescheuert. Wie der Großteil meines Umfelds. Allerdings weiß das Virus ja vielleicht auch, dass man niemals die Wirtschaft befallen darf, sondern ausschließlich Volksfeste und Kulturveranstaltungen. Kleiner Scherz.

Nein, im Ernst: Ich bin absolut überzeugt davon, dass es sich um eine ernstzunehmende Krankheit handelt. Alle meine Mitmenschen die im Krankenhaus arbeiten, ob als Physios, Ärzte, Ärztinnen oder in der Pflege, sind da der gleichen Meinung. Sie sind alle gleich vorsichtig, hatten jetzt alle anstrengende 1,5 Jahre in ihren medizinischen Einrichtungen, und haben auf keinen Fall eine ruhige Kugel geschoben, wie immer mal wieder in den Medien zu lesen war. Sie waren alle wahnsinnig vorsichtig, sind alle geimpft, haben viele Patient:innen um ihr Leben kämpfen sehen. Und niemand von denen wird von irgendwem bezahlt, um das zu behaupten. Das war einfach deren Leben in den vergangenen eineinhalb Jahren.

Und nur, weil ich selbst keine Angst vor einer Ansteckung hatte (ich hab einfach immer Glück im Leben und außerdem eine Gesundheit wie ein Pferd), hab ich trotzdem immer verantwortungsvoll gehandelt, andere geschützt, und die Maske hab ich in manchen Situationen richtiggehend lieben gelernt. Es gibt kaum einen wirksameren Schutz vor Smalltalk!

Mittlerweile bin ich auch voll geimpft und narrisch froh drum. Langsam müssen sich wohl alle Gedanken darum machen, wie sie ihr Leben weiter organisieren. Wie macht man es mit Impfung, Urlaub, Parties, usw.

Die Selbständigen müssen sich Gedanken darüber machen, wie sie in Zukunft ihr Business aufstellen wollen. Klarheit ist da jetzt das Gebot der Stunde. Welche Kunden möchte ich haben, wie mache ich es mit Maske und Sicherheitsvorkehrungen, ist der Impfstatus für mich relevant, usw. Ich hab gelesen, dass es inzwischen Gaststätten gibt, die nur Geimpfte reinlassen, und andere, die nur ungeimpfte Gäste haben wollen. Das gibt es viele Entscheidungen, die jede:n von uns in irgendeiner Form in absehbarer Zeit betreffen werden. Es ist wichtig und legitim, dass jeder Mensch jetzt seine eigenen Grenzen auslotet und absteckt.

Spätestens hier sind wir beim Thema Abgrenzung angelangt. Ja, wir sind alle immer noch in einer Ausnahmesituation. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Ich glaube an die Wissenschaft, und die sagt für die nächsten Jahre „unendliches Leid“ voraus. „Seuchen werden das erste sein, woran die Industrienationen den Klimawandel am eigenen Leib spüren werden“, sagen die Wissenschaftler:innen seit vielen Jahrzehnten. Auch die Überschwemmungen, die grade einen Teil von Deutschland und Belgien weggespült haben, sind keine singulären Ereignisse. Es wird schlimm werden. Die Ausnahmesituationen werden wohl der Normalzustand werden, wenn man der Wissenschaft Glauben schenkt.

Natürlich sind durch Corona viele Menschen in ihren Grundfesten erschüttert worden. Den einen steht finanziell das Wasser bis zum Hals, weil sie seit eineinhalb Jahren wenig bis gar nicht arbeiten können bzw. dürfen, die anderen flippen emotional aus, weil sie die vielen kognitiven Dissonanzen um sich herum nicht aushalten können. Die meisten projizieren jetzt, was das Zeug hält. Wer da nicht alles herhalten muss! „Die Reichen“, „Die Mächtigen“, „Die Eliten“, „Die Politiker“, einzelne reiche und mächtige Individuen wie Zuckerberg oder wie sie auch alle heißen. „Die“ sind blöd, oder schuld, oder verarschen uns, oder wollen uns ausnehmen.

Mit solchen Aussagen hab ich persönlich nix am Hut. Schon allein ein Satz wie dieser vorhergehende ist eine deutliche Abgrenzung. Und: Man wertet damit nicht die Menschen ab, die so denken, und auch nicht ihre Meinung. Man stellt eben einfach nur klar, dass man eine andere Meinung hat.

Genauso verfahre ich, wenn es um verschiedenste Nachrichten geht, die im Netz kursieren. Nur, weil es im Internet steht, bin ich noch lange nicht überzeugt. Ich mag halt einfach gerne echte Quellenangaben. Von echten Wissenschaftler:innen. Aber hej! Damit grenze ich mich ja nur von anderen Meinungen, und nicht von ganzen Menschen ab. Das ist im Moment für mich der Schlüssel zu vielen Fragen. Ich halte nichts von Impfschaden-Fantasien und Verschwörungstheorien. Trotzdem kann ich den dazugehörigen Menschen gegenüber noch voller Wertschätzung sein.

Die Menschen annehmen, in allem, was sie sind. Das ist sehr förderlich für das eigene Wohlbefinden. Abgrenzung darf dann einfach nur in Bezug auf einzelne „Ego-Anteile“ stattfinden, oder in Bezug auf einzelne Meinungen. Ganz im Sinne von „Ich liebe Dich, Du bist, wie alle anderen Menschen auch, ein strahlender Stern, aber in diesem Punkt stimme ich nicht mit Dir überein. Und ich kann das aushalten, dass wir in dieser Hinsicht nicht einer Meinung sind.“

In manchen Punkten darf man natürlich auch seine persönlichen roten Linien ziehen. Bei mir ist es so, dass ich völkische Ideologien zutiefst ablehne. Wenn mir jemand mit antisemitischen Theorien daherkommt, oder mit ausländerfeindlichen Sprüchen, oder wenn auf einer Demo auch nur im hintersten Eck eine afd-Fahne oder Schlimmeres weht, lehne ich zwar immer noch nicht die Menschen in ihrem Menschsein ab, aber ich würde niemals auf eine solche Demo gehen, und ich halte auf einer geistigen Ebene ein ganzes Universum Abstand. Selbst wenn ich auf der physischen Ebene manchmal nah erscheine. Da führt für mich einfach nicht mal ansatzweise ein Weg hin. Das tut mir nicht gut. Das tut meiner Seele nicht gut, und auch nicht meinem Karma. Das wahrnehmen zu können, und die Konsequenzen draus zu ziehen, das ist Abgrenzung.

Früher dachte ich, ich kann da vielleicht noch was retten, ein bisschen zur Heilung beitragen. Unzählige Male hab ich diversen Mitmenschen schon das Prinzip der Projektion zu erklären versucht. Aber nur die wenigsten haben verstanden, dass es nie um etwas „im Außen“ geht, sondern immer nur um die Bedeutung, die wir den Projektionsflächen in uns geben. Es sind nicht „Die Mächtigen“ oder „Die Ausländer“ oder „Die Politiker“, sondern es sind ausschließlich unsere eigenen Persönlichkeitsanteile, wir in uns nicht aushalten können, und die wir dann eben lieber auf Personengruppen oder einzelne Personen im Außen projizieren.

Irgendwann hab ich dann damit aufgehört. Wenn ein Geist nicht offen ist für das Thema der Projektion, ist jegliche Erklärung vergebene Liebesmüh. Und aus Liebe zu mir selbst habe ich beschlossen, keine Energie mehr zu investieren, wenn das Verständnis für dieses tiefgreifende Bewusstsein fehlt.

Und die ist ja eigentlich, oder sollte es zumindest sein, die Grundlage für jede Form von Abgrenzung: Die Selbstliebe. Weil ich mich selbst liebe und respektiere, darf ich auch zu allem, was mir nicht guttut, klar und deutlich „nein“ sagen. Denn erst, wenn wir gelernt haben, uns selbst wirklich zu lieben, können wir auch alle anderen bedingungslos lieben, und am Ende „echte“ Altruisten werden. Ein:e echte:r Altruist:in weiß nämlich, dass Heilung für die ganze Welt immer in der eigenen Mitte anfängt.

Und um den Bogen zur Eingangsfrage zu spannen: Für mich sind Menschen, die „eingeschlafen“ sind, nicht diejenigen, die nicht an eine unsichtbare Elite glauben, die uns alle durch Chips in den Impfungen steuern will. Für mich sind die „Eingeschlafenen“ diejenigen, die vergessen haben, dass sie selbst Schöpfer ihrer eigenen Welten sind. Die ihre Macht lieber an andere abgeben, und dann auf „Die Mächtigen“ schimpfen. Meiner Erfahrung nach kommt Erkenntnis niemals dadurch, dass wir jemanden anschreien, er soll jetzt endlich erleuchtet sein. Statt den anderen „Wacht endlich auf!“ zuzurufen, wäre es viel besser, sich darum zu bemühen, jeden Tag selbst ein bisschen wacher zu werden. Den eigenen Projektionen, Verhaltensmustern, und Glaubenssätzen auf die Schliche zu kommen. Den eigenen inneren Frieden zu stärken. Den Fokus auf die hilfreichen Gedanken zu legen.

Aufwachen, Erkenntnis, Erleuchtung – das erreicht man nicht im Internet, nicht mit Gewalt, nicht mit dem Teilen von Facebook-Posts, oder mit Zorn auf Politiker. Aufwachen ist ein Weg. Ein langer Weg. Auf dem man sich auf nichts anderes, als auf sich selbst, die eigenen Gefühle und Gedanken, das eigene Leuchten, konzentriert.

Insofern: Grenz dich in Liebe ab. Sei ein gutes Vorbild. Arbeite an dir selbst, an deiner Wachheit, und versuche nicht, andere „wachzurütteln“.

Oder frei nach dem vielzitierten Mahadma Ghandi: Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für die Welt.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ilse

    Das ist mal wieder ein besonders bedenkenswerter Text. In Liebe abgrenzen – ich werde es versuchen.

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